Gotischer Neubau im 14. Jh.


Das ursprüngliche, heute wieder freigelegte Chorfenster ist umrahmt von farbiger Ornamentmalerei.
Die gotischen Fresken auf der Nordseite geben erst bei genauem Hinschauen ihre Geheimnisse preis. Typisch für den Stil der damaligen Zeit sind die einfachen, nicht strukturierten Farbflächen. Dadurch heben sich die feinen, mit wenigen Strichen kunstvoll gemalten Gesichtszüge ab.
Die heute wieder sichtbaren Partien sind Teile eines Bilderzyklus des Leidens und der Auferstehung Christi. Damals waren die wenigsten Kapellbesucher des Lesens kundig und die erste deutschsprachige Bibel wurde erst zwei Jahrhunderte später verbreitet. So waren diese Bilder ein wichtiges Mittel für die Erläuterung des Evangeliums.
Die ornamentale Umrahmung der Ostseite fällt nicht nur durch die kräftigeren Farben auf. Das spiralförmig gewickelte Band erhebt sich durch gekonntes Spiel mit Licht und Schatten für den Betrachter in die dritte Dimension.

Noch kannte der Maler die Technik der Zentralperspektive nicht, obwohl zur gleichen Zeit in Italien die Renaissancekünstler bereits virtuos damit umgingen.


Spätgotische Altäre um 1500


Das Gesprenge des Anna-Altars bedient sich der Formen der gotischen Steinmetzkunst. Im Gegensatz zum Stein ist hier der Holzaufbau viel leichter und organischer. Die seitlichen Arme gleichen beblätterten Pflanzenranken und beleben den eher statischen Mittelteil.
In der Mitte steht die hl. Afra auf dem Scheiterhaufen. Die Ornamentik repetiert die Umrisse der Statue. Deutlich sichtbar ist das am Rundbogen über ihrem Kopf, der den Verlauf des goldenen Saums des Kopftuchs wiedergibt. Die beiden divergierenden, konkaven Spitzbögen bilden den Übergang von den verspielten Ornamenten zu den vertikal orientierten, statischen Türmchen.

Die untere Figurengruppe steht in einer dreibogigen Nische mit Betonung der Mitte. Diese ist der hl. Anna vorbehalten, die gleichzeitig ihre Tochter Maria und das Jesuskind auf den Armen trägt. Die vergoldete Rückwand stellt keinen Abschluss, sondern eine Öffnung Richtung Licht dar.

Seitlich muss man sich noch bemalte Flügeltüren vorstellen, wie sie heute noch auf St. Johann in Altendorf anzutreffen sind. Bei der Aufstellung des Altarschreins, wahrscheinlich erst um 1760, waren diese wohl nicht mehr intakt.

Die Rückseite des Anna-Altars zeigt eine Darstellung des Jüngsten Gerichtes, wie man es sich im ausgehenden Mittelalter vorgestellt hatte.

Der fünfteilige Hauptaltar besitzt drehbare Flügel deren Mechanismus auch heute noch funktioniert. Das spätgotische Gesprenge - ähnlich dem Anna-Altar - fehlt heute. Man nimmt an, dass der Altarschrein um 1623 in die Kapelle kam. Die Rückseite der Flügel trägt eine Zweitbemalung aus eben dieser Zeit (siehe weiter unten im Album).




Die Figurennischen des Hauptaltars sind oben durch einen angedeuteten Baldachin abgeschlossen. Das Hauptmotiv des mittleren Baldachins ist der Rundbogen, sowie dessen Negativ, den Spitzbogen. Organische Rankenmotive ergänzen die Ornamentik.
Die seitlichen Ornamente werden durch den geschwungenen Spitzbogen dominiert. Diese Bogenform ist zugleich sein eigenes Negativbild.

Vom Reichtum der Ausstattung überwältigt, sieht man erst beim zweiten Mal Hinschauen die vielen spannenden Details.

Reich und filigran gestaltet sind auch die Gewänder der heiligen Bischöfe.

Nachgotik Anfang 17. Jh.


Die nachgotischen Bilderzyklen zeigen eine ganz andere Darstellungsweise als die älteren Malereien. Sie sind als Tafelbilder konzipiert. Perspektivische Landschaftsdarstellungen bilden den Hintergrund der einzelnen Szenen. Vorne erkennen wir realitätsgetreue Figuren mit detailliert gemalten Kleidern und Gesichtszügen mit Emotionen.
Der Verdacht liegt nahe, dass der Künstler auch Zeitgenossen verewigt hat. So mag das Antlitz des einen oder anderen damaligen Stifters heute noch von den Wänden zu uns herunter blicken.
In der Mitte der Kapelle, rechts und links an den Wänden, ist die Legende über das Leben des Bruder Klaus dargestellt. Um 1623 genoss er in der damaligen Schweiz grosses Ansehen. Im Jahr 1649 wurde er übrigens selig gesprochen.
Es sind nicht nur fromme Bilder dargestellt, sondern der Zyklus erzählt spannende Geschichten. Wie zum Beispiel im nebenstehenden Bild wo Niklaus von Flüe, selbst in der Rechtssprechung tätig, die Falschheit der Richter erkennt (dargestellt mit Feuer aus dem Mund) und sich anschliessend aus allen öffentlichen Ämtern zurückzieht.

Auch auf die Mode um 1600 lässt sich aus den Darstellungen schliessen.
Vorne rechts an der Seitenwand zeigt ein Gemälde Szenen und Legenden aus dem Leben des hl. Jost. Während beim Bruder Klaus-Zyklus die Landschaften dominieren, rücken hier Gebäude und Architektur in den Mittelpunkt. Allerdings war der Künstler doch noch recht unbeholfen bezüglich perspektivischen Darstellungen.
Der Hl. Jost lebte in Frankreich. Deshalb sind die Landschaftsdarstellungen jenen Gegenden nachempfunden.


Ein Engel bindet sozusagen die Bilderzyklen an der Architektur fest. Die Darstellungsart erinnert an den aufkommenden Barock mit seinen Puttenfiguren.



Nachgotisches Portal. Das Wiederaufleben der Gotik im katholischen Raum bringt beinahe einen eigenen Stil hervor. Rennaissance und Frühbarock lassen den Steinmetzen jedoch nicht unbeinflusst.

In geschlossenem Zustand wirkt der Hauptaltar recht einfach. Die Bemalung dieser Werktagsseite ist jünger als der Altar selber. Sie ist um 1623 über eine ältere Fassung aufgetragen worden. Im obersten Zwickel erscheinen Stifter und Stifterin in Gestalt ihrer Namenspatrone Andreas und Helena.
Die eher düsteren Hintergründe stehen im Kontrast zu den hellen Figuren und geben den Bildern eine Tiefenwirkung. Die lebensechte Darstellung zeigt doch einen gewissen Einfluss der italienischen Renaissance auf die nordalpine Malerei.



Barock Mitte 18. Jh.



Die barocken Deckenbilder von 1760 sind stärker idealisiert als die nachgotischen Malereien. Deutlich sichtbar ist dies im mittleren Bild durch den symbolisch dargestellten heiligen Geist als Taube mit Strahlenkranz und als Feuerzungen über den Köpfen der Versammelten.
Die verspielte Umrahmung der Bilder lockert die Darstellung auf.






Die gewölbte Holzdecke ersetzte eine vorgängige Flachdecke. Sie öffnet den rechtwinkligen Raum zaghaft zur dritten Dimension. Erst jetzt haben die Fialen des Anna-Altars den nötigen Platz.

Die Statue des hl. Jost auf dem Hauptaltar zeigt typische Eigenschaften der Barockkunst. Im Gegensatz zu den 250 Jahre älteren gotischen Figuren stützt diese Figur ihr ganzes Gewicht auf ihr rechtes Standbein. Das linke Spielbein berührt den Boden nur leicht und bringt dadurch eine Dynamik.

Die Aussenbilder, 1988 mittels Fotografien rekonstruiert und interpretiert, übersteigern hier das nachgotische Portal. Karl Boromäus, Jost und Bruder Klaus waren auch um 1760 noch populäre Figuren.

Schon früh in der Kapellengeschichte zierte ein Christopherus die Südwand. Hier die Nachbildung der barocken Fassung.

Dem Schwur der drei Eidgenossen wird durch einen nebenstehenden, religiös-patriotischen Spruch das entsprechende Gewicht gegeben.

Unter dem Boden an der heutigen Süd- und Strassenseite schlummern Mauern und Stufen. Bei der Dachstuhlrenovation 1987 fand man oben an der Mauerkrone Abdrücke von starken Balken, die wohl ein Dach über dem Vorplatz oder über einer profanen Einrichtung für die Pilger trug. Die archäologischen Funde wären noch zu deuten !