22. September 2011:

Aufschlussreicher Abend der offenen Tür

Eine grosse Schar folgte der Einladung zum Informationsabend über den derzeitigen Stand der Restaurationsarbeiten unserer Jostenkapelle. Interessiert schauten sich die vielen Gäste zwischen den Gerüsten im ausgeräumten Raume um, wobei vor allem die zu restaurierenden Bilderzyklen von Bruder Klaus und Sankt Jost die Aufmerksamkeit der Betrachter anzog.


In seinen Begrüssungsworten freute sich Baukommissionspräsident René Steinhardt über die vielen Besucher und erläuterte kurz den Stand der Renovationsarbeiten. Das Chorgestühl wurde entfernt und wird dann auf der Empore seinen endgültigen Platz finden. Die Bänke befinden sich zurzeit beim der einheimischen Schreinerei Weber zur Anpassung und speziellen Wurmbehandlung, während die Altäre und Figuren bei der Spezialfirma Franz in Meilen bei besten Verhältnissen einer sorgfältigen Restauration unterzogen werden. Beim Altar wurde bereits ein Teil des Bodens freigelegt und wird dann mit anderen notwendigen Anpassungen, unter besonderer Berücksichtigung der Bilderzyklen-Restaurierung, etappenweise vorgenommen.

    

Architekt Toni Schnellmann gelang es einmal mehr, die Zuhörer mit seinen profunden Kenntnissen der wechselvollen Geschichte unserer Jostenkapelle zu überzeugen. Wie ein Geschichtsbuch lese sich das Innere unseres kostbaren Kleinodes, angefangen mit der Blütezeit der Pilgerzüge um 1360, wo vorher die Pest wütete und aus dieser Zeit auch der Ablassbrief von 1362 stammt, in dem die Kapelle erstmals erwähnt wurde. Im 16. Jahrhundert geriet sie dann im Umfeld der Reformation etwas in Vergessenheit, bis sie die Familie Hegner samt Verwandschaft um 1600 mit grossem Aufwand zu einer Art Familienkapelle umbauten und aus deren Zeit auch die Bilderzyklen mit Bruder Klaus und St. Jost stammen. Bei der erneuten Restauraierung um 1760 wurde die heutige, gewölbte Holzdecke samt Bildern angebracht und während dem Bau der Martinskirche von 1822 bis 1825 diente sie als Notkirche. 1910 erfuhr die Jostenkapelle eine weitere Restaurierung und wurde gleichzeitig unter den Schutz der eidgenössischen Denkmalpflege gestellt, die damals erst zehn Jahre vorher gegründet wurde. 1953 und 1960 holten Restauratoren Teile der gotischen Bilder wieder hervor, so dass man die Geschichtesepochen der Kapelle heute im Neben- und Uebereinander lesen kann. Oberstes Ziel der aktuellen Restauration wird sein, unser wertvolles Kleinod am alten Pilgerweg in sinnvoller Abklärung mit der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege als ansprechendes Ganzes zu erhalten.

    

Sylvia Fontana, als verantwortliche Restauratorin von der gleichnamigen Firma verstand es ausgezeichnet, die Dringlichkeit der Rettung der wertvollen Bilderzyklen anschaulich zu erläutern. Sie demonstrierte mit Skalpell, Spritzen und weiteren feinen Werkzeugen die aufwändige Arbeit des Reinigens, Befestigen und Leimens der kleinsten Bildteile, die höchste Konzentration und Sorgfalt erfordern. Weitere Einflüsse, wie Temperatur, Feuchtigkeit und Mikroorganismen zeigen, dass es für die Rettung dieser Kunstwerke nun wirklich „fünf vor zwölf“ ist und der Entscheid für eine umfassende Restaurierung dringend notwendig war. Nach einer Ruhezeit wird dann im Frühjahr nach Abschluss der Befestigungsarbeiten die Bildauffrischung in Angriff genommen. Sieben Arbeitstage benötigt ein erfahrener Restaurator in etwa für ein Bild und so ist es ein Glücksfall, diesen heiklen Auftrag in den Händen einer solch renommierten Firma zu wissen.

In seinem Schlusswort bedankte sich René Steinhardt bei den anwesenden Fachleuten für ihre profunden Erläuterungen; den Gästen für ihr Interesse und Zuspruch zum Baukredit und hofft, dass auch der Spendenaufruf zu Gunsten unseres geschätzten und wertvollen Kulturgutes auf offene Herzen treffen wird. (rü)